Joy Vonesch - SWS - Sozialwerke Pfarrer Sieber

Freiwillige Mitarbeiterin Brot-Egge

Joy Vonesch

Langeweile kennt Joy Vonesch im Brot-Egge nicht. Sie hilft Bedürftigen beim ‚Einkaufen‘.

Einkaufen heisst in diesem Fall, dass sich Menschen, die unter dem Existenzminimum leben, Lebensmittel aussuchen können. Diese Lebensmittel stammen von Grossverteilern wie Migros und Coop. Die Produkte sind in den Läden überschüssig, qualitativ jedoch einwandfrei. Morgens wird die Ware geliefert, nachmittags dürfen Bedürftige vorbeikommen und eben ‚einkaufen‘. Joy begleitet diese Menschen.
„Ich mache mit den Leuten die Runde um den Tisch und schaue, dass sie nur so viel mitnehmen, wie sie dürfen. Einige wollen hamstern, haben Angst zu kurzzukommen. Doch eine Person, die nur für sich selbst Ware benötigt, darf nicht gleich viel nehmen wie jemand, der eine fünfköpfige Familie versorgen muss. Das leuchtet den Leuten oft nicht ein.“
Wer als Erstes aussuchen darf, entscheidet sich per Los: Jeder zieht aus einem Sack eine Zahl, und wer die niedrigste hat, darf als Erste bzw. Erster. Wer schummelt, muss bis zuletzt warten. So bleibt es zufällig (oder selbstverschuldet), wer wann drankommt, und jede Woche gibt es eine neue Chance.

Ich schätze es, dass ich mit verschiedenen Menschen und Kulturen zu tun habe.Joy Vonesch

Freundlich und klar
Ursprünglich wollte Joy Krankenschwester werden, doch familiäre Veränderungen verhinderten dies. Deshalb lernte sie Verkäuferin, allerdings mit dem Gedanken, später zu wechseln – doch dann kamen ihre zwei Kinder. Daher blieb sie Verkäuferin, jedoch nicht lange. Sie sehnte sich nach dem Sozialen, wo sie für sich mehr befriedigende Herausforderung erhoffte: „Es motiviert mich am meisten, wenn ich Leuten helfen kann, die wenig haben.“ Deswegen schätzt sie ihre Arbeit im Brot-Egge, obwohl, oder vielleicht gerade weil sie manchmal Nerven kostet.
Dass Leute wütend werden oder versuchen, Joy zu bestechen, kommt öfters vor. Leute behaupten dann, sie hätten letzte Woche nichts bekommen oder bringen Zigaretten mit, wollen sie gar bekochen. Joy lässt nicht mit sich verhandeln. „Ich bedanke mich und sage ihnen, dass es nichts bringt.“ Dass jemand ohne Lebensmittel nach Hause müsse, komme ohnehin nur vor, wenn der Betroffene sich entscheide, nichts mitzunehmen. Etwas sei immer da.
Joy kennt ihre Leute. Seit anderthalb Jahren arbeitet sie bei der Lebensmittelverteilung mit: „Mit der Zeit weiss man, wen man alleine aussuchen lassen könnte und auf welche Pappenheimer man Acht geben muss“, lacht sie. „Doch ich schätze es, dass ich mit verschiedenen Menschen und Kulturen zu tun habe – gerade der Umgang mit Menschen, die Kommunikation, gefällt mir besonders gut und ich lerne, cool zu bleiben und Dinge nicht persönlich zu nehmen.“

 

infografik
8'637 Stunden Freiwilligenarbeit wurden geleistet. Vorallem der Betrieb des Pfuusbus, Brot-Egge und Kältepatrouille wäre ohne dieses grosse Engagement nicht möglich.

Newsletter

In Zukunft noch besser informiert. Melden Sie sich hier für den SWS-Newsletter an.

Newsletter abonnieren

Einfach E-Mail eintragen - unser Newsletter erscheint 4x jährlich.
Eintragen