Stefan Haun - SWS - Sozialwerke Pfarrer Sieber

Betriebsleiter Brot-Egge

Stefan Haun

Als Betriebsleiter vom Brot-Egge benötigt Stefan Haun insbesondere drei Dinge: Empathie, Flexibilität und die Fähigkeit, Bedürfnisse von allen Seiten schnell im Team zu koordinieren.

Es beginnt damit, dass kein Tag eine Routine besitzt. Tage können voll oder leer starten. Das bringe einerseits viel Abwechslung, andererseits aber auch jede Menge Feuerwehrübungen, schildert Haun. Man müsse priorisieren, ob etwas wirklich dringend sei, oder ob eine Sache trotz des Drucks von Klienten warten dürfe.
Haun, der zuvor in einer Psychiatrie gearbeitet hat, wollte sich aber explizit herausfordern lassen: „Als ich die Stellenanzeige sah, gefiel mir, dass ich sowohl leiten als auch Klienten direkt beraten würde.“ Seit April 2016 ist er nun dabei, und erstaunt, so viel Armut anzutreffen: „Von allen Orten, bei denen ich bislang gearbeitet habe, habe ich hier Personen getroffen, die besonders hilfebedürftig waren. Dass es in einem so reichen Land wie der Schweiz so viele bedürftige Menschen gibt, hat mich schon sehr beeindruckt.“ Ihre Geschichten gehen ihm auch noch nach 20 Jahren Sozialarbeit nahe – wäre es nicht so, würde er den Job nicht mehr machen.

 

Berührt
„Einer Frau, die lange auf der Strasse gelebt hatte, durften wir ein Dach über dem Kopf vermitteln. Als sie am ersten Morgen am Frühstückstisch sass, nachdem sie dort geschlafen hatte, meinte sie, sie hätte total Angst gehabt zu verschlafen, weil sie nun schlafen durfte. Sie sagte das mit einem Lächeln und man hat gemerkt, wie es ihr gut tat und sie sich entspannte. Die Frau fing danach an, mehr zu sich zu schauen, wurde weicher, beweglicher. So etwas bringt Freude!“


Wenn mich die Arbeit nicht mehr berühren würde, würde ich meinen Job nicht mehr machen. Stefan Haun


Die Kehrseite davon gebe es ebenfalls: „Wenn Klienten nicht mehr ausschliesslich damit beschäftigt sind, ihr Leben zu organisieren, brechen plötzlich Gedanken oder Fragen auf, die sie verdrängen konnten. Da wissen sie manchmal nicht, wie sie damit umgehen sollen.“ In solchen Fällen ist es der Brot-Egge als Team, der die Leute auffängt und ihnen zur Seite steht. Dass sich Menschen nach Jahren bewegen liessen, findet Haun mutig – schliesslich sei es stets mit der Frage verbunden, was denn anstelle des Gewohnten auf einen zukommen. Diesen Handlungsspielraum, die Freiheit im Gestalten schätzt er sehr. Er ist neugierig, wohin sich die Stiftung und der Brot-Egge entwickeln werden – und bewegt sich damit selbst auf eine Reise.

 

infografik
7'996 Besuche verzeichnet die niederschwellige Anlaufstelle Brot-Egge.

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