Roger - SWS - Sozialwerke Pfarrer Sieber

Bewohner Brothuuse

Roger

Roger (43) ist glücklich, in Brothuuse einen Platz gefunden zu haben. In der Wohnsiedlung der Sozialwerke Pfarrer Sieber in Zürich Affoltern schätzt er die Gemeinschaft, die aber jedem Bewohner auch genügend Privatsphäre gewährt. An seine Zukunft hat er bescheidene Ansprüche.

„Bevor ich nach Brothuuse kam, habe ich in einer Art Obdachlosen-WG in Seebach gelebt. Einige der Bewohner von dort sind hierher gezogen. So kenne ich die eine oder den anderen bereits. Ich finde, dass wir uns schon recht gut miteinander arrangiert haben. Natürlich gibt es hier und da noch Zoff, wenn sich die einen nicht an die Hausordnung halten. Aber das ist am Anfang in einer so bunt zusammen gewürfelten Gemeinschaft wohl normal. Meinen Tag versuche ich so strukturiert wie möglich zu gestalten. Das hilft mir. Ich bin im Methadonprogramm und muss daher auch immer wieder in die Stadt fahren. Aus der Nachbarschaft habe ich bislang nur positive Reaktionen erhalten. Die Leute sind neugierig und wollen wissen, wie es sich in Brothuuse lebt. Natürlich müssen wir darauf achten, dass wir niemandem einen Vorwand geben, um über uns zu lästern. Aber das gibt uns auch die Möglichkeit zu zeigen, dass wir keine Unmenschen sind.

In die Drogen abgerutscht bin ich während meiner Lehre als Hafner. Statt mich zu lehren, wie man Kachelöfen baut, nutzte mich mein Lehrmeister als Handlanger aus. Ich lernte nichts und war frustriert. Eine Clique und Drogen bildeten für mich bald die Gegenwelt, in die ich mich flüchtete. Ich stieg gleich mit harten Drogen ein und war bald süchtig. Während meiner über 20-jährigen Drogenkarriere machte ich 15 Entzüge. Stets vergeblich. Weil ich stets in mein altes Umfeld zurückkam, stürzte ich regelmässig wieder ab. Mit 42 bin ich heute von diesem Scheitern gezeichnet. Ich glaube nicht mehr daran, dass ich es schaffen kann. Wie sollte ich auch – ich habe nur noch meine Gassenbekanntschaften. Und meine Eltern. Diese sind stets zu mir gestanden, auch wenn ich ihnen oft Kummer bereitete. Heute etwa fahren meine Freundin und ich zum Mittagessen zu ihnen. Meine Mutter ruft mich jeden zweiten Tag an und will wissen, wie es mir geht.

Ich möchte wieder mit malen beginnen.Roger

Zu den Sozialwerken von Pfarrer Sieber kam ich vor ein paar Jahren, als ich die Anlaufstelle Sunestube im Kreis 4 besuchte. Dort nahmen sich die Berater viel Zeit für mich und klärten ab, welche Einrichtung für mich die geeignete sei. So landete ich schliesslich hier in Brothuuse. Hier gefällt es mir sehr gut. Ich schätze die Gemeinschaft, die Bewohnersitzungen am Donnerstag und die Gottesdienste am Sonntag, aber auch die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Für meine Zukunft erhoffe ich mir eine Stabilisierung meiner Situation. Und ich habe mir fest vorgenommen, wieder mit malen zu beginnen. Das ist eine Beschäftigung, die mich fordert aber auch erfüllt. Ich habe gehört, dass es hier ganz in der Nähe ein kleines Atelier gibt. Vielleicht kann ich mich dort einmieten. Und dann möchte ich hier in Brothuuse einen kleinen Garten pflegen. In den nächsten Wochen werden wir beginnen, Gärten anzulegen. Darauf freue ich mich riesig."

infografik
30 Menschen wohnten in der Notwohnsiedlung Brothuuse. 54.2 % davon sind ausgetreten und wohnen jetzt selbständig.

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