Igna Wojtyna - SWS - Sozialwerke Pfarrer Sieber

Tierärztin Gassentierarzt

Igna Wojtyna

Igna Wojtyna arbeitet seit 2010 als Tierärztin für die Sozialwerke Pfarrer Sieber. Die erfahrene Veterinärin weiss mit Tieren ebenso umzugehen wie mit deren Haltern. Das ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg als Gassentierärztin.

Jeweils am Montagnachmittag arbeitet Tierärztin Igna Wojtyna nicht in ihrer heimischen Praxis, sondern in einem Hundesalon an der Grüngasse. Zusammen mit SWS-Mitarbeiterin und Initiantin Miriam Spring bildet sie das Gassentierarzt-Team, das sich um Tiere und ihre Herrchen – zumeist randständige Menschen – kümmert. Während sich Miriam Spring in erster Linie der Sorgen und Nöte der Tierhalter annimmt, ist das Wohl der Tiere Sache von Igna Wojtyna. Sie kennt viele ihrer Klientinnen und Klienten. Und sie mag sie. „Es gibt Augenblicke, in denen ich den Tränen nahe bin, wenn ich sehe, in welchen teils unwürdigen und elenden Lebenssituationen Frauen und Männer auf der Strasse leben“, sagt Wojtyna. Und solche Situationen gibt es häufiger als ihr lieb ist. Dennoch oder gerade darum ist sie von ihrem Einsatz als Gassentierärztin überzeugt. „Ohne dieses Angebot sähe es für viele Randständige sehr schlecht aus – und für die Gesellschaft.“

Ohne dieses Angebot sähe es für viele Bedürftige sehr schlecht aus.Igna Wojtyna

Dem Individuum geholfen ist allen geholfen

Was sie damit meint, erklärt Igna Wojtyna überzeugend. „Wer für ein Tier oder ein Kind sorgen muss, lernt Verantwortung zu tragen.“ Das wiederum wirke erwiesenermassen stabilisierend. Davon wiederum profitierte letztlich die Gesellschaft, denn in ihrem Lebensumfeld stabile Menschen fallen der Allgemeinheit viel weniger zur Last als Menschen, die nur für sich schauen müssen.“ Immer wird Igna Wojtyna in dieser Wahrnehmung bestätigt. Die studierte Psychologin und Veterinärmedizinerin leistet Randständigen mit Haustieren beim Gassentierarzt seit 2010 medizinische Hilfe. Neben diesem Engagement führt die Mutter dreier Kinder eine eigene Tierarztpraxis im Zürcher Unterland. Die Mehrfachbelastung ist zwar kräftezehrend. Dennoch ist Igna Wojtyna von ihrer Arbeit zugunsten Minderbemittelter überzeugt. „Die Arbeit ist vielfältig und spannend“, sagt sie. „Mich bereichert sie darum so, weil sie nicht nur veterinärmedizinische Aufgaben, sondern viele zwischenmenschliche Kontakte bringt.“

Widerlegte Kritik

Auf das Angebot des Gassentierarzts aufmerksam wurde sie durch ein Stelleninserat auf der Vetline, einer Webseite für Veterinäre. „Mit Miriam Spring habe ich mich auf Anhieb gut verstanden.“ Dass die Infrastruktur sehr einfach ist, macht ihr nichts aus. So hat sie auch schon Hunde auf dem Bürotisch kastrieren müssen. „Man muss flexibel sein, denn es gibt immer wieder Überraschungen.“ Dennoch ist die Frau mit dem wachen Blick froh um die gute, meist unkomplizierte Kooperation unter Tierärzten. „Die fehlenden diagnostischen und chirurgischen Möglichkeiten im Lokal, das wir benutzen dürfen, verlangen nach einer Zusammenarbeit.“ Allerdings sei diese nicht gratis. Oft ist sie zu teuer für die Halterinnen und Halter, so dass sie froh seien um die finanzielle Unterstützung durch die Sozialwerke Pfarrer Sieber. Auch Igna Wojtyna findet es aber wichtig, dass Menschen ohne finanzielle Polster an den Kosten beteiligt werden. „Nur so können sie Selbstverantwortung umfassend wahrnehmen.“

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