Mirjam Spring - SWS - Sozialwerke Pfarrer Sieber

Leiterin Angebot Gassentierarzt

Mirjam Spring

Mirjam Spring arbeitet seit 20 Jahren für die Sozialwerke Pfarrer Sieber. Ihre langjährige Erfahrung mit Menschen auf der Gasse liess sie ein pionierhaftes Projekt ins Leben rufen, das den Zugang zu Betroffenen über deren Haustier ermöglicht – den „Gassentierarzt“.

Wenn Mirjam Spring von ihren Erfahrungen mit Randständigen berichtet, merkt man rasch, dass sie weiss, wovon sie spricht. Sie kennt fast jede und jeden auf der Gasse, besonders jene mit einem Haustier. Auch bei den wöchentlichen Sprechstunden, die Mirjam Spring zusammen mit Tierärztin Igna Wojtyna durchführen, kommt es kaum vor, dass sie die Kundinnen und Kunden nicht kennt. Auch nicht solche, die erstmals vorbeikommen. Viele Klienten kennt sie aus ihrer Tätigkeit als Leiterin der Sunestube und aus ihrer Tätigkeit in den verschiedenen Noteinrichtungen, die Pfarrer Ernst Sieber im Laufe der letzten 20 Jahre ins Leben gerufen hat. Aufgewachsen ist die vife Frau mit dem klaren Blick in Heuried. Als Mädchen verbrachte sie viel Zeit im Gemeinschaftszentrum Heuried mit seinen Tieren. Als die damalige Verantwortliche die Betreuung von Esel und Co. aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, sprangen Mirjam und ihre Mutter ein. „Das war für mich ein Schlüsselerlebnis“, erinnert sie sich. „Ich bekam als Neunjährige eine grosse Verantwortung für andere Lebewesen.“ Damals kam sie auch erstmals in Kontakt mit Pfarrer Sieber, oder besser gesagt seinem Esel, den eine Tochter des Altstetter Pfarrers zwecks Sozialkontakten jeweils ins Heuried zu den Heuried-Eseln brachte. Später wurde Mirjam Spring von Ernst Sieber konfirmiert.

 

Lehre im Bündnerland

Es erstaunt nicht, dass Mirjam Springs Berufswunsch schon früh feststand: Tierärztin oder Tierpflegerin. Nach der obligatorischen Schulzeit fand sie eine Lehrstelle als Tierpflegerin im Bündnerland. Zufälligerweise befand sich das Tierheim in der Nähe einer Drogenreha-Klinik. So kam Mirjam in Kontakt mit ehemaligen Drogenabhängigen. Bald merkte sie, dass viele von ihnen sozial isoliert und beziehungsschwach waren. „Ich spürte, dass die Beziehung zu einem Tier die Beziehungsfähigkeit generell fördert und bot Pferdetrekkingtouren an.“ Damit realisierte die noch nicht 20-Jährige, was heute vielerorts in Heimen und Rehabilitationen zum Standard gehört. Während fünf Jahren boten sie und eine Freundin therapeutische und erlebnisorientierte Reitlager sowie Tierschutzkurse für Kinder und Behinderte an. Dann zog es sie wieder zurück nach Zürich.

 

Beobachtungen umgesetzt

Ihre Rückkehr nach Zürich fiel in jene Zeit, als die offene Drogenszene am Letten das Stadtbild prägte. Als Mirjam Spring von einer guten Bekannten angefragt wurde, ob sie sich nicht in der Notschlafeinrichtung „Betten statt Letten“ mithelfen würde, brauchte sie nicht lange zu überlegen. „Ich begegnete dort Menschen, die das Glück nicht auf ihrer Seite haben. Ich merkte, dass viele von ihnen mit seriöser Unterstützung wieder auf die Beine kommen und wollte mich dafür engagieren.“ So begann ihre Karriere im Dienste von Menschen in Not. Nach Einsätzen in diversen Notunterkünften der Sozialwerke Pfarrer Sieber, gründete ein Team rund um Mirjam Spring 1995 die Anlaufstelle Sunestube, die Spring von 1999 bis 2011 leitete. Auch hier beobachtete sie, dass Tiere oft die einzigen Partner von Randständigen sind. „Ich wurde darin bestärkt, dass wir den Zugang zu solchen Menschen am besten über das Tier suchen müssen.“ So rief sie im Januar 2005 das Projekt Gassentierhunde, heutige Gassentierarzt, ins Leben.

Widerlegte Kritik

Die Kritik, Randständige sollte nicht noch Haustiere haben, wenn sie kaum für sich selbst sorgen könnten, kennt Mirjam Spring. „Meine Erfahrung lehrt mich, dass sie unzutreffend ist. Denn wer für ein Tier sorgen muss, lernt, Verantwortung zu tragen.“ Zudem bauten die Menschen eine Beziehung zum Tier auf. Beziehungsfähigkeit ist aber auch eine Grundvoraussetzung für das menschliche Zusammenleben. „Viele, die zu uns kommen, haben Mühe, von ihren Problemen zu erzählen und Hilfe anzunehmen“, sagt Spring. „Wenn wir ihre Tiere behandeln, bricht das Eis.“

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