Kurt - SWS - Sozialwerke Pfarrer Sieber

Engagiert sich im Pfuusbus

Kurt

Kurt E. war glücklich verheiratet. Da verliess ihn seine Frau. Auch eine zweite Beziehung scheiterte. Er stürzte in den Alkohol ab und wurde obdachlos. Im Pfuusbus fand er wieder Halt. Heute arbeitet er wieder als Maler und hat sein Leben geordnet.

„Es war das verflixte siebte Jahr. Als mir meine Frau eröffnete, dass sie mich verlassen will, war das für mich ein Schock. Ein Schock, von dem ich mich nicht so rasch erholte. Dabei hatte lange alles so gut ausgesehen. Aufgewachsen bin ich in Zürich. Hier lernte ich Malerhandwerk und verdiente damit gutes Geld. Meine Freundin und ich heirateten. Irgendwie lebten wir uns aber auseinander. Nicht so, dass ich das als gravierend erachtete. Aber offensichtlich doch so stark, dass es zum Bruch kam. Zunächst wollte ich nichts mehr von einer Frau wissen. Während fünf Jahren arbeitete ich im Bündnerland als Maler. Später zog ich in den Thurgau. Dort lernte er wieder eine Frau kennen. Die Beziehung hielt aber nicht lange. Zudem verlor ich meinen Job. Als 55-Jähriger findest du aber kaum mehr eine Stelle. Ich musste das schmerzlich erfahren. Absage auf Absage traf ein. Das war für mich zu viel. Ich suchte Trost und Vergessen im Alkohol. Bald trank ich wie eine Kuh. Bis zu 15 Liter an einem Abend. Bald konnte ich meine Miete nicht mehr bezahlen und lebte fortan auf der Strasse.

Die Küche als Talentschuppen

So fand ich 2009 den Weg in den Pfuusbus. Zunächst war ich einfach Gast. Die Menschen dort behandelten mich nicht als Süchtigen, sondern als Gegenüber. Das imponierte mir sehr. Ich merkte, dass hier Menschlichkeit gelebt wird, auch wenn die Besucher sicher keine leicht zu betreuenden Menschen sind. Als der Bus eines sonntags länger geöffnet hatte und es ein Mittagessen geben sollte, fiel kurzfristig die Person aus, die hätte kochen sollen.

Im Pfuusbus erlebte ich Menschlichkeit, wie ich sie vorher nicht kannte.Kurt

Der damalige Hüttenwart Andreas Gerber fragte mich, ob ich kochen könne. Ich gab keine Antwort, sondern stellte mich an den Herd – und kochte. Und zwar so gut, dass das den Pfuusbus-Verantwortlichen auffiel und Andreas Gerber mich fortan unter seine Fittiche nahm. Er erkannte wohl, dass einer am Werk ist, der anzupacken weiss.

Vertrauen, das stärkt

Bald schon engagierte er mich teilzeitlich als Maler in seinem Unternehmen für Hausrenovationen. Ich fasste wieder Zuversicht – und schaffte es auf wundersame Weise, das Trinken aufzugeben. Dass mir jemand nochmals eine Chance gab, war für mich ein Geschenk. Das Vertrauen stärkte mich so sehr, dass ich mir sagte: den Alk muss ich abstellen, sonst bin ich am Ende. Ich schaffte es. Heute trink ich nur noch gelegentlich zum Essen ein Gläschen und habe kein Verlangen nach mehr."

infografik
8'637 Stunden Freiwilligenarbeit wurden geleistet. Vorallem der Betrieb des Pfuusbus, Brot-Egge und Kältepatrouille wäre ohne dieses grosse Engagement nicht möglich.

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