Roman Bel - SWS - Sozialwerke Pfarrer Sieber

Leiter Arzt im Sune-Egge

Roman Bel

Roman Bel ist Leitender Arzt im Sune-Egge. Im Fachspital für Sozialmedizin und Abhängigkeitserkrankungen sorgt er dafür, dass die Patienten medizinisch versorgt werden und ihre Ressourcen mithilfe der Mitarbeitenden für ihre Zukunftsplanung nutzen können.

„Mit meinem Engagement hier im Sune-Egge schliesst sich für mich ein Kreis“, sagt Roman Bel. Was er damit meint, wird klar, wenn man seine Biografie anschaut. Aufgewachsen ist der sportliche Mittfünfziger in Hegnau bei Volketswil. Nach der Matura war für ihn klar, dass er dereinst einen Beruf ausüben wollte, der mit Kindern zu tun hat. „Ich war und bin bis heute ein Kindernarr“, sagt der fünffache Vater und strahlt. „Kinder sind das Leben und mit Kindern zu spielen und zu arbeiten war für mich immer das Grösste.“ Für den jungen Hegnauer stand früh fest, dass er Kinderarzt werden wollte. „Weil ich aber nach der Matura nicht nochmals sechs weitere Jahre in der Schulbank verbringen wollte, wählte ich zuerst die Sek-Lehrerausbildung.“ Der Lehrberuf mit der intensiven Arbeit mit Jugendlichen gefiel dem Zürcher Oberländer. „Die Zusammenarbeit mit unprofessionellen Schulpflegern war aber schlicht unerträglich für mich“, erinnert er sich. So entschloss er sich doch noch, das Medizinstudium aufzunehmen.

Einsatz im Ersten Golfkrieg

Nach dem Studium machte er seine Assistenzjahre u.a. im Kantonsspital Winterthur. Der damalige Chefarzt erkannte in Roman Bel einen Mann mit grossem Fachwissen und noch grösserem Herzen für seine Arbeit und die Patienten. Als Mitglied des Komitees vom Internationalen  Roten Kreuz (IKRK) machte der Chef ihn auf die lehrreichen Arzt-Einsätze für das IKRK aufmerksam. Mit Erfolg. Der junge Schweizer Arzt machte sich auf und verbrachte so zwei Jahre als Arzt im Mittleren und Fernen Osten. Unter anderem im Iran-Irak-Krieg, 1980-1988  und auf den Phillippinen, in der Zeit als das Marcos-Regime gestürzt wurde. „Auch in jener Zeit sah ich wieder sehr viel menschliches Leid und lernte viel“, sagt Roman Bel. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz arbeitete er im Kinderspital Zürich sowie den Spitälern Uster und Sarnen. In ihm reifte der Entschluss: er wollte fortan als Allgemeinpraktiker in einer Praxis arbeiten. Weil sich die Eröffnung einer eigenen Praxis jedoch verzögerte, nahm Roman Bel eine Stelle beim stadtärztlichen Dienst in Zürich an. Das war zu jener Zeit, als die offene Drogenszene auf dem Platzspitz das Bild Zürichs im In- und Ausland prägte. „Ich hatte – wohl auch wegen meiner Erfahrungen in Kriegsgebieten – keine Berührungsängste“, sagt Bel. „Ich war überzeugt, dass es sich bei dieser besonderen Art von Patienten nicht um „Zombies“ handelte, wie viele Zeitgenossen abschätzig meinten, sondern um Menschen, die zwar teilweise entsetzlich aussahen, aber deswegen nicht weniger menschlich behandelt werden wollten.“

Hier habe ich mit Menschen zu tun, die wirklich krank sind und nicht nur glauben, krank zu sein.Roman Bel

Das Kind als Brückenbauer

Noch während ihres Einsatzes auf dem Platzspitz – auch Roman Bels Frau ist Ärztin und arbeitete zu dieser Zeit mit auf dem Platzspitz – kam das erste Kind des Paares zur Welt. „Wir übergaben uns das Baby nicht selten auf dem Platzspitz, wenn einer von uns seinen Dienst beendete und der andere ihn aufnahm“, erinnert sich Bel schmunzelnd. Das Kind spielte auch hier eine wichtige Rolle in Bels Leben. „Wenn wir das Baby auf dem Platzspitz dabei hatten, reagierten die Süchtigen viel offener auf unsere Anwesenheit als ohne. Unser Baby baute für uns quasi eine Brücke des Vertrauens zu den Patienten.“ Nach einigen Jahren mit eigener Arztpraxis und Abstechern in die Managementarbeit im Gesundheitswesen wurde Bel wieder die zunehmende Abwesenheit von der Familie zur Belastung. „Unser jüngstes Kind ist jetzt 14 Jahre alt“, sagt er. „Ich sehe es wegen der vielen Arbeit viel seltener, als ich es gerne möchte und es immer vor hatte.“ Ein unhaltbarer Zustand für den Kinderfreund. So wagte er nochmals, mit dem „Kind als Brückenbauer“, einen Wechsel in den Klinikalltag der Abhängigkeits- und Sozialmedizin zurück. Ein Kreis schliesst sich.

 

Gradlinig und lernwillig

„Im Gegensatz zu Managementaufgaben habe ich im Sune-Egge wieder vermehrt mit Menschen zu tun, die wirklich krank sind und nicht nur glauben, krank zu sein. Zugleich geht es im Sune-Egge nicht nur um die medizinische Betreuung, sondern um Zuwendung und Verständnis für die besondere Situation. Das macht die Aufgabe komplexer aber auch befriedigender.“ Wenn Bel dies sagt, spürt man wieder: Hier ist einer mit Leib und Seele Arzt. Aus Berufung, und nicht nur als Beruf. Dabei ist der begeisterte Motorradfahrer Bel – er war in jungen Jahren nicht nur angefressener  -Volleyballer, sondern auch  begeisterter Motocrossfahrer – keineswegs ein „Gschpüürsch-mi-Typ“. Offenheit, Gradlinigkeit und Fokussierung auf das Wesentliche sind Charakteristika seiner Personalführung. Ohne dass er deswegen andere Meinungen ignorieren würde. Im Gegenteil. „Wenn gute Argumente vorgebracht werden, bin ich der erste, der sie annimmt“, sagt er unprätentiös.

infografik
13'685 Pflegetage wurden im Fachspital Sune-Egge verbucht. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 72.8 Tage und die Auslastung lag bei 85.75 %.

Newsletter abonnieren

Einfach E-Mail eintragen - unser Newsletter erscheint 4x jährlich.
Eintragen