Heidy Köchli - SWS - Sozialwerke Pfarrer Sieber

Leiterin Pflegedienst Sune-Egge

Heidy Köchli

Heidy Köchli mag Menschen. Auch wenn die erfahrene Pflegefachfrau als Leiterin des Pflegediensts im Sune-Egge viel Administratives zu erledigen hat, sucht sie so oft es geht den Kontakt mit den Patienten und ihrem Pflegeteam.

„Die Patienten und ihre Leiden stehen im Zentrum unseres Handelns“, sagt Heidy Köchli und meint das sowohl auf den ganzen Sune-Egge als auch sich selbst gemünzt. Diese Verzahnung von institutionellem und persönlichem Handeln ist typisch für die fröhliche Frau mit dem gewinnenden Lachen. Das, was salbungsvoll in den Leitbildern von Spitälern, Kliniken und Heimen steht, in der Realität aber meist vom ökonomischen Sachzwängen übertönt wird, ist bei Heidy Köchli wie auch dem Sune-Egge generell gelebte Wirklichkeit. Hier bemühen sich Pflegerinnen und Pfleger, noch mehr Zeit für die Beziehungspflege zu den Patienten einzusetzen als vielerorts im Schweizer Klinikalltag. „Das war für mich einer der wichtigsten Gründe, weshalb ich mit 58 Jahren nochmals eine neue Herausforderung suchte und hier vorfand“, sagt Köchli. Bereut hat sie ihren Wechsel von der Psychiatrischen Klinik Wil in den Sune-Egge vom Mai 2013 bislang keinen Moment. „Ich finde hier jenes Gefüge, das in anderen Spitälern immer weniger existiert. Hier kann ich meine Berufs- und Lebenserfahrung einbringen und zugleich dazu beitragen, dass der Klinikalltag weiterhin von Pflege- und Beziehungsarbeit und nicht von Datenerfassung und Administrativpflichten bestimmt wird.“

Eine Spätberufene

Aufgewachsen ist Heidy Köchli in Luzern und später in Winterthur. Für sie war schon früh klar, dass sie Krankenschwester – so hiess damals die heutige Pflegefachfrau – werden will. Als sie jedoch ihr Haushaltjahr im Welschland absolvierte und dort in einer Familie mit drei anspruchsvollen Kindern zu Gast war, erschien ihr die Arbeit mit Menschen doch etwas zu ungestüm und anspruchsvoll. So wurde sie Floristin. Nach zwei Jahren auf dem Beruf, wurde ihr aber klar, dass es doch die Krankenpflege sein musste. Im Kantonsspital Frauenfeld machte sie ein Praktikum als Schwesternhilfe. „Das gefiel mir enorm“, erinnert sich Heidy Köchli. „Und ich wollte mehr.“ Einer Ausbildung zur Pflegefachfrau kamen dann aber vorerst ihre Kinder dazwischen. Als die beiden Sprösslinge der mütterlichen Obhut nicht mehr so stark bedurften, entschloss sich Heidy Köchli, die Aufnahmeprüfung als Pflegefachfrau zu machen. So fand sie doch noch zu ihrer Passion. Während über 17 Jahren arbeitete sie daraufhin in der Psychiatrischen Klinik in Wil (SG), 10 Jahre davon als Stationsleiterin. Hier kam sie auch intensiv in Kontakt mit suchtkranken Patienten. In einem Nachdiplomstudium  vertiefte sie ihr Wissen in diesem Bereich.

Mir ist wichtig, dass wir ein gutes zwischenmenschliches Klima im Haus haben.Heidy Köchli

Beziehungen leben

Der Sune-Egge war der agilen und doch mütterlich wirkenden Luzernerin bereits vor ihrem Engagement hier bekannt. „Ich verfolge Ernst Siebers Wirken seit langem mit grossen Respekt. Und der Sune-Egge war mir als aufmerksamer Beobachterin des Gesundheitswesens und speziell in der Arbeit mit Suchtkranken natürlich auch ein Begriff.“ Ein positiver, wie sie betont. Schmunzelnd fügt sie hinzu: „Ich kann es nicht ausstehen, wenn Türen geschletzt werden. Als Strafe fürs Türenschletzen mussten meine Kinder zuhause jeweils etwas vom Sackgeld in eine Sparbüchse abgeben. Dieses Geld spendeten wir dann dem Sune-Egge.“ So habe sie bereits früher eine wenn auch einseitige Beziehung zum Fachspital an der Konradstrasse gehabt. Diese Beziehung ist nun plötzlich gegenseitig und sehr intensiv geworden. Mit Begeisterung lebt sie nun ihre Arbeit im Sune-Egge. „Neben den Kontakten mit Patienten und Pflegenden geht es mir vor allem darum, die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Diensten im Haus so harmonisch und doch verbindlich wie möglich zu gestalten. Wenn wir uns alle als ineinander greifende Rädchen in einem grossen Werk verstehen, können wir den Patientinnen und Patienten jene Unterstützung geben, die sie brauchen, um ihr Leben neu zu ordnen – oder aber hier in Würde abzuschliessen.“ Beziehungen leben, um Menschen zu unterstützen. So versteht Heidy Köchli ihren Dienst im Sune-Egge. Mit ihrer Lebens- und ihrer Berufserfahrung will sie dazu beitragen, dass Patienten im SWS-Fachspital sowie in der Pflegestation in Egg weiterhin eine ressourcenorientierte statt eine defizitorientierte Betreuung erwarten dürfen. Und dass das etwas andere Spital an der Konradstrasse nicht so rasch ins management- und ökonomiebetonte Fahrwasser der meisten anderen Schweizer Spitäler gerät.

 

infografik
1'503 ambulante Behandlungen wurden im Fachspital Sune-Egge durchgeführt. Zudem wurden 43 Methadonpatienten betreut.

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