Darja Baranova - SWS - Sozialwerke Pfarrer Sieber

Betriebsleiterin Sunestube

Darja Baranova

Darja Baranova ist Betriebsleiterin der SWS-Anlaufstelle Sunestube. Auch wenn dort viele Menschen ein- und ausgehen, die grosse Probleme im Leben haben, glaubt sie an deren Zukunft.

Seit Mitte 2011 arbeitet Darja Baranova in der Sunestube, seit Mai 2014 leitet sie die Einrichtung. In der Anlaufstelle an der Kreuzung Militärstrasse/Langstrasse gefällt es ihr noch wie am ersten Tag. Oder gar noch besser. „Ich habe viel gelernt, und der Alltag hier ist lebhaft und herausfordernd. Das gefällt mir.“ Vor ihrer Zeit bei den Sozialwerken Pfarrer Sieber machte die gebürtige Deutsch-Russin zunächst eine Ausbildung als Kinderpflegerin. Das Interesse an religiösen Fragen führte sich daraufhin in die Schweiz, wo sie am Seminar für biblische Theologie in Beatenberg den Bachelor of Theology machte.

Wo Nächstenliebe gelebt wird

Den Weg zu den Sozialwerken Pfarrer Sieber fand sie über ein Stelleninserat. „Als ich die Ausschreibung für die Stelle in der Sunestube sah, wusste ich sofort, dass das genau das ist, was ich gerne machen möchte“, erinnert sie sich. „Die Theorie interessiert mich zwar, doch das Leben findet draussen statt, dort, wo die Menschen mit ihren realen Problemen und Sorgen sind. Ihnen will ich Gottes Liebe und Hoffnung in Form von praktischer Hilfe und Unterstützung anbieten.“ Sie habe sofort gemerkt, dass die Sunestube ein Ort ist, wo Nächstenliebe praktisch gelebt werde. Und so bewarb sie sich bei den Sozialwerken Pfarrer Sieber – und arbeitet heute voller Engagement mitten im Kreis 4.

Für mich gibt es keine hoffnungslosen Fälle.Darja Baranova

Sehen, wie viel Leid es gibt

Ihren Alltag beschreibt sie als lebhaft, bisweilen gar turbulent. Immer aber fühle sie sich vom Team getragen und von den Besucherinnen und Besuchern respektiert. Ihre Aufgaben reichen von administrativen Arbeiten bis zu persönlichen Gesprächen. Sie berät Menschen in schwierigen Lebenslagen, sucht mit ihnen zusammen Wege, um aus der Krise zu finden. Weiter hat Darja Baranova immer wieder Kontakt mit Behörden, begleitet Besucher zu Ämtern, macht Gefängnisbesuche, erledigt Büroarbeiten und bedient in der Cafeteria. Einmal wöchentlich geht sie auf Nachtpatrouille und sucht Obdachlose auf. Besonders die individuellen Beratungsgespräche empfindet Darja Baranova als bereichernd und zugleich kräftezehrend. „Alle, die in die Sunestube kommen, stecken in schwierigen Lebenslagen, die oft ausweglos scheinen.“ Da sei es wichtig, gut zuhören und gleichzeitig die nötige Distanz bewahren zu können. Das scheint ihr zu gelingen. Sie wirkt mit ihrer fröhlichen Art motivierend auf das Team und die Gäste. Und doch zollen ihr alle Respekt.

Gelernt, Geduld zu haben

Dass es in der Sunestube bisweilen ruppig und in seltenen Fällen auch aggressiv zu- und hergeht, ficht die zierliche Frau nicht an. Sie hat gelernt, sich durchzusetzen. Und sie sprüht vor Zuversicht. „Meiner christlichen Überzeugung folgend gibt es für mich keine hoffnungslosen Fälle“, sagt sie in Bezug auf das viele Leid und die enttäuschten Menschen, mit denen sie täglich konfrontiert ist. Um Auswege aus scheinbar ausweglosen Situationen zu finden, setzt sie sich täglich ein. Nicht immer mit sofortigem Erfolg, aber sie denkt ohnehin eher langfristig. Geduld zu haben, müsse man lernen, wenn man hier arbeite, findet sie. „In der Sunestube wurden mir die Augen geöffnet für die Nöte der Menschen. Ich sehe heute, wie viele Menschen Hilfe nötig haben. Überhaupt hat sich mein Horizont deutlich erweitert.“ Dafür ist sie dankbar. „Ich schätze mehr als je zuvor, was ich habe: mein Leben, meine Familie, meine Freunde.“

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