André - SWS - Sozialwerke Pfarrer Sieber

Bewohner ur-Dörfli

André

Die Drogensucht hat André K. zu einem einsamen Mann gemacht. Dank der Mitarbeiter im Ur-Dörfli und seiner neuen Passion, dem Theaterspielen, schöpft er wieder Lebensmut. Und hat ein Ziel: die Selbständigkeit.

„Die Drogensucht hat aus mir einen einsamen Menschen gemacht. Das merkte ich, als vor 18 Jahren meine Freundin verstarb. Das war für mich ein Schock. Als ich dann auch noch meinen Hund verlor, vereinsamte ich vollends. Obschon ich auf der Gasse viele kenne, hatte ich keine wirklichen Freunde mehr. Das tat weh. Und zwar so weh, dass ich mich psychiatrisch behandeln lassen musste. Wegen anderer medizinischer Probleme kam ich darauf in den Sune-Egge. Nachdem ich wieder genesen war, fand ich ins Ur-Dörfli.

Von der Lehre in die Leere

Aufgewachsen bin ich in Seebach. Dort besuchte ich die Schule und begann danach mit der Lehre bei der Post als Briefträger. Leider habe ich einen ausgesprochen schlechten Orientierungssinn. So musste ich mich nach einem anderen Beruf umsehen. Ich begann als Lebensmittelverkäufer. Leider klappte das auch nicht. Aber ich konnte in verschiedenen Filialen im Lager mitarbeiten. Das gefiel mir. Zu kiffen begann ich erst mit 19. Ein Kollege verleitete mich dazu. Ich war jung und neugierig. Ich wollte wissen, was das Leben alles zu bieten hat. Drogen gehörten zu dem, was irgendwie anrüchig und doch spannend war. Meine Neugier war fatal. Schon bald probierte ich LSD und Heroin, später kam Kokain dazu. Zunächst konnte ich locker während Wochen ohne starke Drogen auskommen. Nur kiffen musste ich immer. Aber es dauerte nicht lange, da konnte ich nicht mehr arbeiten und landete auf der Gasse. Ich dealte und konsumierte. Vom Heroin kam ich dank Methadon weg. Und selbst das Methadon konnte ich inzwischen ganz abbauen und brauche keines mehr.  Allerdings war das ein teuer erkaufter Ausstieg. Um vom Methadon los zu kommen, benötigte ich unterstützende Medikamente. Heute bin ich nach diesen süchtig und komplett abhängig von ihnen. Das macht mir zu schaffen.

Ich brauche einen neuen Freundeskreis. Sonst schaffe ich es nicht.André

Die Befreiung durchs Theaterspielen

Im Jahr 2013 wurde ich von der Leiterin des Obdachlosentheaters „Schrägi Vögel“ angefragt, ob ich nicht Lust hätte, dort mitzuspielen. Rückblickend war das für mich eine Offenbarung. Ich merkte rasch, dass ich ein Flair fürs Theaterspielen habe. Ich bin vor Aufführungen nie nervös, aber stets für meine Verhältnisse sehr konzentriert. Ich kann mich gut in Rollen hineindenken und habe enorme Freude, vor Publikum zu spielen. Auch das Auswendiglernen der Texte fällt mir erstaunlich leicht. Ich glaube, dass ich im Schauspiel zeigen kann, dass doch mehr in mir steckt, als viele meinen. Dank des Theaterspielens blühe ich auf. Früher, als ich im Ur-Dörfli täglich ins Kunstatelier ging, schlief ich regelmässig über der Arbeit ein. Ich war unmotiviert. Heute arbeite in der Holzwerkstatt. Und bin motiviert. Ich fühle mich dort mehr gefordert. Werkstattleiter Franz Feusi ist ein aufmerksamer Betreuer. Er fördert mich und gibt mir Selbstvertrauen.

Neue Freunde finden

Die Mitarbeiter im Ur-Dörfli arbeiten mit mir daran, meine Zukunft aufzubauen. Ich hoffe, nicht mehr lange hier sein zu müssen. Mein Wunsch ist es, wieder eine eigene Wohnung zu haben und für mich selbst sorgen zu können. Ich weiss aber um die Gefahr, wieder ins alte Fahrwasser zu geraten. Wichtig ist für mich nun, einen neuen Freundeskreis aufzubauen. Das ist enorm schwierig, aber ich will das unbedingt.

infografik
58% erfolgreiche Austritte verzeichnet die Suchthilfeeinrichtung Ur-Dörfli.

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