Judith Küttel - SWS - Sozialwerke Pfarrer Sieber

Arbeitsagogin ur-Dörfli

Judith Küttel

Judith Küttel ist seit 2006 Betreuerin im Ur-Dörfli. In der Suchthilfeeinrichtung beim Bahnhof Pfäffikon ZH hilft sie drogenabhängigen Menschen unter anderem, wieder mit Tagesstrukturen zu leben. Eine Tätigkeit, die oft einer Sisyphus-Arbeit gleichkommt, weil Erfolge immer wieder durch Rückfälle zunichte gemacht werden. Für Judith Küttel ist das aber kein Grund, den Bettel hinzuschmeissen. Sie freut sich an kleinsten Fortschritten.

„Manchmal könnte man schon verzweifeln“, sagt Judith Küttel. Da mache ein Bewohner an einem Tag erfreuliche Fortschritte, um am anderen wieder völlig apathisch zu sein und alles Gelernte vergessen zu haben. Oder überhaupt nicht ansprechbar zu sein. Eine Frohnatur wie sie lässt sich von solchen Rückschlägen, die die Arbeit mit Drogensüchtigen mit sich bringt, aber nicht entmutigen. „Wenn ich auch kleine Fortschritte als solche wahrnehmen kann, verlieren Misserfolge für mich ihre negative Dominanz.“ Dass Judith Küttel ihre Zuversicht auch in schwierigen Umständen behält, hat nicht nur mit ihrem Naturell zu tun. Die 57-Jährige wirft zudem viel Lebenserfahrung in die Waagschale. Die hilft ihr bei der täglichen Arbeit immer wieder. Angefangen hat Judith Küttel ihre Berufslaufbahn als Tiefbau- und Eisenbetonzeichnerin. Später wurde sie Hausfrau, um nach dem beruflichen Wiedereinstieg während sechs Jahren als Wirtin tätig zu sein. Jene Zeit war es denn auch, die ihr die Richtung ihrer weiteren beruflichen Entwicklung wiesen. „Ich wollte mit und für Menschen arbeiten“, sagt sie dazu. Weil sie als Wirtin mit Menschen mit Suchtproblemen in Kontakt gekommen war, suchte sie eine Möglichkeit, bei der Betreuung von Suchtkranken mitzuarbeiten.

Ein Praktikum bestätigt die Berufswahl

Ein Praktikum in der Anlaufstelle Sunestube der Sozialwerke Pfarrer Sieber gab ihr die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein. Im Jahr 2006 bekam sie die Möglichkeit, im Ur-Dörfli als Betreuerin im Nachtwacheteam einzusteigen. Während vier Jahren blieb sie in dieser Funktion und machte dazu berufsbegleitend die Ausbildung zur Agogin. „Was ich in dieser Zeit erlebte, bestätigte mich, die richtige Berufswahl getroffen zu haben.“ Heute ist Judith Küttel im Ur-Dörfli zusammen mit anderen Agogen dafür zuständig, dass die Bewohnerinnen und Bewohner wieder lernen,  mit fundamentalsten Erfordernissen des Alltags zurande zu kommen. Sie lernen also wieder, wie man ein Zimmer in Ordnung hält, wie man die eigene Wäsche macht, wie man einen Tag einteilt und so weiter. „Im Ur-Dörfli fördern wird die Ressourcen unserer Bewohnerinnen und Bewohner individuell. Das heisst, dass wir sie motivieren, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen und ihm Strukturen zu geben.“ Judith Küttel hilft ihren Schützlingen auch, wenn sie Töpfern und Tonen, Malen und Basteln. Bei solchen Tätigkeiten lernen sie, sich zu konzentrieren und mit verschiedenen Werkstoffen umzugehen. Etwas, das für viele wegen des Drogenkonsums zu einer wahren Herausforderung geworden ist

Ich will mit und für Menschen arbeiten.Judith Küttel

Süchtigen ohne Vorurteile begegnen

Judith Küttel liebt ihre Arbeit. „In den täglichen Begegnungen erfahre ich Bestätigung für mein Tun und Motivation, dran zu bleiben.“ Auch wenn es immer wieder Rückschläge gibt und es im Ur-Dörfli bisweilen laut zu- und hergeht – für Judith Küttel ist klar, dass die Bewohner ihr Engagement durchaus schätzen. „Ich lese das an ihren Augen ab. Und immer wieder äussern sie auch ihre Dankbarkeit.“ Wichtig sei es, dass sich die Bewohner ernst genommen fühlten und die Betreuerinnen und Betreuer ihnen nicht wertend begegneten. Und dass sie gefördert aber auch gefordert werden. „Nur so können sie an sich selbst und den an sie gestellten Aufgaben wachsen.“ Und sie selbst versucht nach dem Motto zu leben „Heute ist mein bester Tag“. Kein Wunder, lässt sie sich von Schwierigkeiten nicht wirklich beeindrucken und freut sich immer auf die Menschen und die Arbeit im Ur-Dörfli.

infografik
58% erfolgreiche Austritte verzeichnet die Suchthilfeeinrichtung Ur-Dörfli.

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