Manfred - SWS - Sozialwerke Pfarrer Sieber

Manfred

Manfred war Zehnkämpfer. Die Drogensucht aber knickte seine Hoffnungen. Heute betreibe er nur noch Fernsehsport, wie er augenzwinkernd sagt. Dafür hat er ein neues Hobby, für das er das Christkind bemühen will...

«Ich hätte es im Zehnkampf weit bringen können. Schon während der Schulzeit lief ich die 100 Meter wie’s Bisiwetter in 10,8 Sekunden. Auch in anderen Disziplinen war ich stark. Dann kam das mit den Drogen. Ich war nach meiner Werkzeugmacherlehre und der RS als Panzerfahrer voller Tatendrang und Wissensdurst. Als mir Kollegen von ihren Drogenerfahrungen erzählten, machte mich das neugierig. Ich wollte wissen, wie das ist. Es nahm mir den Ärmel herein. Kokain wurde meine Droge. Bald war ich süchtig danach.

Es dauerte nicht lange, bis ich den Job verlor. Weil der Kokainkonsum viel Geld verschlang, begann ich zu dealen, immer grössere Mengen. Klar begann sich die Justiz für mich zu interessieren. Mehrere Male sass ich im Gefängnis, insgesamt neun Jahre meines Lebens. Ich würde vieles heute anders machen, ja. Aber es ärgert mich, wenn die Leute auf Junkies zeigen und herzlos kläffen, diese seien selber schuld an ihrer Misere. Hand aufs Herz: Hat ein junger Mensch nicht das Recht, das Leben zu entdecken und dabei Fehler zu machen? Nun, es ist so wie es ist. Ich jedenfalls merkte eines Tages, dass ich so nicht weitermachen konnte und zugrunde gehen würde.

Die Faulen sollen sich ein Beispiel an mir nehmen. Manfred

Es gelang mir, mit dem Drogenkonsum von einem Tag auf den anderen aufzuhören. Einfach so. Wie das ging? Ich weiss es selbst nicht. Ist wohl ein Wunder. Vor drei Jahren dann hörte ich ebenso schlagartig mit dem Rauchen auf. Von 5 Päckchen pro Tag auf null. Darauf bin ich stolz. Seit zwei Jahren lebe ich im Sunegarte. Die Umgebung der Pflegestation der Sozialwerke Pfarrer Sieber hier in Egg ist traumhaft. Der Blick über Greifensee und Oberland tut mir gut. Und die Leute hier sind ganz okay. Die Betreuer behandeln mich wie einen Menschen und nicht wie einen ehemals Süchtigen. Das rechne ich ihnen hoch an. Einzig einige meiner Mitbewohner sind faule Kerle. Die bewegen sich kaum. Dabei sollten sie sich ein Vorbild an mir nehmen, ich bin aktiv – als Fernsehsportler…hihihi! Nein, im ernst, so schlimm ist es nicht. Wenn es mir mein Körper erlaubt, gehe ich auf den Hometrainer. Und sonst bin ich halt mit meinem Rollator im Haus unterwegs und mache täglich Physio.

Am liebsten aber bin ich im Kunstatelier. Ob Traumfänger, Gipsmaske oder Papiermaché-Figur – ich habe schon viel hergestellt, wie man in meinem Zimmer unschwer sieht. Ich bin kreativ, gell. Leider ist nur zweimal in der Woche eine Therapeutin im Atelier. Vielleicht sollte ich mir zu Weihnachten mehr wünschen...»

Aufgezeichnet von Walter von Arburg

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