Werner - SWS - Sozialwerke Pfarrer Sieber

Werner

Eine Ehekrise stürzte Werner ins Elend. Er verlor den Halt im Leben und wurde obdachlos. Pfarrer Sieber und seine Leute gaben ihm wieder Hoffnung. Im Pfuusbus fand er den Tritt wieder. Heute lebt er in der Wohnsiedlung Brothuuse. Er hat dort sein Daheim gefunden.

„Das Unglück kam schleichend. Zusammen mit meiner Frau und unserer Tochter lebte ich als Koch in Spanien. Ich kochte für Fürsten, ja sogar den spanischen König. Mein Leben drehte sich nur noch um die Arbeit. Ich war wohl ein Workaholic. Dabei vernachlässigte ich meine Familie. Eines Tages kam ich nach Hause und erwischte meine Frau mit einem Mann im Bett. Ich holte mein Gewehr und wollte den Kerl erschiessen. Da rief meine Tochter: „Papa, wenn du schiesst, siehst du mich 30 Jahre lang nicht mehr.“ Ich ertrug die Demütigung und Machtlosigkeit nicht und lief einfach davon.

Ob es mir heute Leid tut? Weisst du, im Nachhinein würde ich vieles anders machen. Es war ebenso mein Fehler wie jener meiner Frau, dass wir uns auseinander gelebt hatten. Aber es ist nun so, wie es ist. Heute habe ich wieder Kontakt zu meiner Tochter und besuche sie bisweilen sogar. Damals zog ich jedenfalls rastlos durch Europa, bis ich schliesslich völlig abgebrannt in der Schweiz landete. Weil ich niemandem zur Last fallen wollte, lebte ich über drei Jahre obdachlos in Zürich. Unter einer Brücke fand ich eine Bleibe. Mein Bett bestand aus Blättern.

Doch die nächtliche Kälte konnten diese nicht abhalten. Um nicht zu frieren, streifte ich deshalb nachts durch die Stadt. Dabei machte ich eine erstaunliche Beobachtung. Wenn du um 3 Uhr im Niederdörfli unterwegs bist, findest du nicht wenig Geld auf der Strasse. Nach drei Jahren auf der Gasse riet mir eine Frau, mich doch bei Ernst Sieber zu melden. So lernte ich den Pfarrer und seine Leute kennen. Er nahm mich mit in den eben eröffneten Pfuusbus. Die Gemeinschaft mit den Menschen dort tat mir sehr gut. Bald schon kochte ich im Pfuusbus und wurde zu einem Fahrer des Pfarrers. Auf diesen Fahrten lernte ich ihn besser kennen und erlebte schon viel Lustiges. Einmal, als ich noch einen Bart trug und wir in eine Polizeikontrolle gerieten, hiess er mich, seinen Schlapphut aufzusetzen.

Stirnrunzelnd meinte dann der Polizist zu mir: ‚Aber Pfarrer, Sie haben Ihren Führerausweis doch abgegeben. Sie dürfen nicht mehr ans Steuer.‘ Erst als ich den Hut abnahm, erkannte er den Irrtum. Auf dem Hintersitz freute sich Pfarrer Sieber wie ein Spitzbub über den gelungenen Streich. Überhaupt lachen wir viel. Wir sind irgendwie seelenverwandt. Beide sind wir freiheitsliebend und eigenwillig. Trotz meiner schwierigen Lebensumstände habe ich den Humor nie verloren. So war es wohl kein Zufall, dass ich Gefallen am Theaterspielen fand. Während Jahren war ich Mitglied der Schauspieltruppe „Die schrägen Vögel.“ Auf der Bühne war ich im Element. Das Zusammensein mit anderen beflügelt mich. Darum fühle ich mich auch in Brothuuse so wohl. Gemeinschaft erst macht aus einem Zuhause ein Daheim. In Brothuuse habe ich mein Daheim gefunden.“

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