Das vielfältige «Leben» unseres Pfarrer-Sieber-Huus
«Liebe leben» ist der ursprüngliche Inhalt der Diakonie, hält Ernst Sieber auf der allerersten Seite seines Buches «Menschenware – wahre Menschen» fest.
Für den Pfarrer ist es eine Kampfansage, für die er mit seiner gesamten Existenz einsteht – zupackend, unkonventionell, mit Schalk und stets im Dienst an seinen Nächsten. Es ist sein Verdienst, dass im Zentrum Zürichs ein Haus steht, das sich dieser Aufgabe verschrieben hat. Zu Beginn als Notunterkunft für sterbenskranke Opfer der Aidsepidemie und Drogenhölle des Platzspitz, später als das daraus erwachsene Fachspital Sune-Egge für Obdachlose und Suchtkranke. Wie könnten wir sein Vermächtnis besser ehren, als diesen Ort zukünftig als Pfarrer-Sieber- Huus dauerhaft den Menschen zu widmen, die sonst keinen Raum in Zürich finden – in teuren Wohnungen nicht, und im öffentlichen Raum immer häufiger nur unter Anfeindungen.
Ein Leuchtturmprojekt, sagt man da gern. Doch irgendwie passt das nicht ganz. Ein Leuchtturm hat Signalwirkung – doch was will er sagen? Bleibt weg von hier! Wo ich stehe, ist es für euch gefährlich. So geht das nicht auf.
Es ist auch nicht das Gebäude, das ein Zeichen setzt – es sind die Menschen darin: Die Gemeinschaft, die dort entstehen darf und denjenigen eine Herberge und Hoffnung bietet, die sonst in unseren Städten von Vordach zu Bänkli zu Luftschacht schleichen. Die trubelige Gemeinschaft in unserem Gassenkafi Sunestube, das im Pfarrer-Sieber-Huus ab Januar eine neue Heimat findet, will einen Kontrast zur Einsamkeit auf der Gasse bilden. Sie erinnert uns an die Stärke, die in der Barmherzigkeit liegt, und an die Macht der Geborgenheit in einer Gemeinschaft, in der man aufeinander achtet.
Vielleicht will dieser Ort also kein Leuchtturm, sondern ein bunter Garten sein, mitten in der Stadt. Jede Begegnung dort ist ein kleines Samenkorn, das auf seinen Moment wartet. Ein Vergissmeinnicht. Eine Erinnerung an die Kraft einer Liebe, die ins Leben hineinwirkt und sich nicht von den Widrigkeiten eines Schicksals oder unserer Zeit ersticken lässt.
Das geht nicht von allein, dafür braucht es fruchtbaren Boden und Menschen, die sich Zeit nehmen. Und darum darf ich Ihnen in Pfarrer Ernst Siebers Namen eine herzliche, jederzeit einlösbare Einladung in seinen Garten aussprechen.
• Friederike Rass, Gesamtleiterin