Im Gespräch mit Lotti Latrous

Lotti Latrous ist Entwicklungshelferin an der Elfenbeinküste. 2002 erhielt sie den Adele-Duttweiler-Preis, 2004 war sie Schweizerin des Jahres.

Frau Latrous, sind Sie Pfarrer Sieber einst persönlich begegnet?

Leider nein.

Wo sehen Sie Parallelen Ihres Engagements?

Ich bin überzeugt, dass der Glaube ihm die Kraft gab, nie daran zu zweifeln, dass das, wofür er sich einsetz- te, das Richtige ist. Der Glaube ist der Boden, auf dem unsere Engagements gewachsen sind.

Wie beeinflusst Corona Ihre Arbeit an der Elfenbeinküste?

Corona beeinflusst unsere Arbeit nur am Rande, denn die Elfenbeinküste ist – wie durch ein Wunder – von Covid-19 verschont geblieben. Hoffen wir, es bleibt so.

Welche Ziele haben Sie sich für 2021 gesetzt?

Meine Ziele sind seit Jahrzehnten dieselben: Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch einen guten Kern und das Recht hat, seinen Weg (wieder) zu finden. Wir, denen es gut geht, haben eine Verantwortung, für diejenigen da zu sein, die gestrauchelt sind. Jeder Mensch verdient ein Lächeln, ein gutes Wort, ein offenes Ohr und eine ausgestreckte Hand. Es ist grundsätzlich einfacher, Hilfe zu geben, als diese zu akzeptieren, denn im Geben erhalten wir viel. Schwächeren ihre Stärke zu zeigen, macht uns selber zu würdigen, demütigen Menschen.

Welche Rolle soll das Sozialwerk Pfarrer Sieber Ihrer Meinung nach heute spielen?

Exakt die, die Pfarrer Sieber immer wichtig war. Ich hoffe, dass seine Nachfolger seinen Geist hochhalten. Klar, die Zeiten ändern sich, nicht aber die Bedürfnisse der Menschen, die unsere Hilfe verdienen. Es geht immer und immer wieder um die Würde. Sie darf nicht verloren gehen. Wem das Aufstehen aus eigener Kraft nicht mehr möglich ist, der verdient – im Namen der Mensch- lichkeit – Hilfe. Schliesslich wissen wir oft nicht mehr, wer am Boden lag, sondern stehen zusammen da. Miteinander, nebeneinander und vor allem füreinander.