Für Menschen. Mit Menschen.

Obdachlose benötigen ein Dach über dem Kopf, Essen, Kleider. Am meisten aber brauchen sie Beziehung.

Im Leben geht’s nicht immer fair zu und her. Das wissen wir alle. Meist können wir damit umgehen. Wenn wir mal wieder in den Dreck gefallen sind, handeln wir im besten Fall nach dem Motto: aufstehen, Dreck abschütteln, weitermachen. Das gelingt, wenn wir Menschen um uns haben, die uns gernhaben und uns in der Not mit guten Worten und Taten beistehen. Leider verfügen immer weniger Leute über ein tragendes Beziehungsnetz, also Familie, Partner, Freunde, Bekannte. Bei Krisen stürzen sie und können nicht mehr aufstehen. Ihnen fehlen dazu die nötige Kraft und entgegengestreckte Hände. 
So erging es Moritz. Er arbeitete als Programmierer in einer grossen IT-Firma. Als seine Mutter schwer erkrankte, reduzierte er sein Arbeitspensum, um sie zu pflegen. Das machte er mehrere Jahre. Dann starb seine Mutter. Für Moritz brach die Welt zusammen. Um wenigstens einen Teil der Kosten für den ausgefallenen Lohn und für die Pflege erstattet zu bekommen, wandte er sich an seinen Arbeitgeber, seine Wohngemeinde und seine Krankenkasse. Jahrelang kämpfte er. Überall vergeblich. Er bekam nichts. Das verbitterte ihn derart, dass er alles hinter sich liess und obdachlos wurde. Er wollte von der Gesellschaft, die er als undankbar und unerbittlich wahrnahm, nichts mehr wissen. Als wir ihn auf der Gasse antrafen, war er völlig verwahrlost, zutiefst verbittert und äusserst misstrauisch. Auch uns gegenüber, die wir ihm helfen wollten. Es brauchte viel Zeit und Geduld, bis er sich uns gegenüber zu öffnen begann und Vertrauen fasste. 
So wie Moritz geht es vielen Menschen, die obdachlos werden. Sie sind enttäuscht, verletzt und verunsichert und sehen in der Obdachlosigkeit die einzige Möglichkeit, ihrem Schmerz zu entkommen. Dabei verkennen sie, dass sie eigentlich eines benötigen: menschliche Wärme. Denn ihr Hauptproblem ist ihre Vereinsamung. Gewiss, in vielen Fällen tragen sie ihren Teil zur verfahrenen Situation bei, und es ist nicht allein die Hartherzigkeit anderer, die zu ihrem Absturz führt. Es darf indessen nicht sein, dass Fehlentscheide und Vereinsamung dazu führen, von der Gesellschaft abgeschrieben zu werden. Denn wir alle machen zuweilen Fehler oder handeln ungeschickt. Wir alle sind dann auf Verständnis und Nachsicht angewiesen.
Als Stiftung versuchen wir, Notleidenden in unseren Einrichtungen materiell und medizinisch, vor allem aber mit Anteilnahme und menschlicher Wärme zur Seite zu stehen. Getreu Pfarrer Siebers Imperativ: Nicht nur für Menschen da sein, sondern mit den Menschen! Auf dass dank Beziehung aus Trümmern des Lebens neue Hoffnung keimt. 

• Walter von Arburg, Leiter Kommunikation