Gemeinsam zu lachen, macht den Moment leichter
«Die Menschen auf der Gasse sollen spüren, dass sie nicht vergessen gehen.» Dieser Satz beschreibt am besten, was Rémy Guillaume antreibt. Seit 2020 ist der 41-Jährige als Gassenarbeiter unterwegs. Er sucht den Kontakt zu Menschen auf der Strasse, baut Vertrauen auf und informiert sie über Angebote wie das Gassencafé Sunestube. «Oft braucht es mehrere Begegnungen, bis sich jemand langsam öffnet», erklärt er.
Wenn er nicht auf der Gasse unterwegs ist, begleitet Rémy Guillaume im Pfarrer-Sieber-Huus Peer-Mitarbeitende während ihrer Ausbildung zu Sozialbegleitern. Peers, also ehemals selbst Betroffene, haben mit ihrer eigenen Gassen- und Lebenserfahrung oft einen besonders guten Zugang zu Menschen auf der Gasse.
Besonders nahe gehen Rémy Menschen, die er über längere Zeit begleitet und deren Geschichte kein gutes Ende nimmt. Wenn sie Hilfe ablehnen, bleibe oft ein Gefühl der Hilflosigkeit zurück, so der erfahrene Gassenarbeiter. Umso wertvoller seien Momente, in denen sich Misstrauen langsam in Vertrauen wandle oder gemeinsames Lachen selbst schwierige Situationen leichter machen. «Dass sogar in dunkelsten Momenten so viel Humor da ist, beeindruckt mich jedes
Mal aufs Neue.»
• aufgezeichnet von Michael Rohrbach