Mitmenschlichkeit ist unbezahlbar

Freiwillige sind bei uns im Sozialwerk Pfarrer Sieber in vielen Betrieben tätig: In unseren Notschlafstellen engagieren sie sich als Hüttenwarte, in der Küche oder als Gesellschafterinnen und Gesellschafter unserer Gäste. In unserer aufsuchenden Gassenarbeit leisten sie Einsätze auf den nächtlichen Kältepatrouillen und verteilen Obdachlosen heisse Getränke und Schlafsäcke. In der Jugendnotschlafstelle Nemo setzen sie sich in der Gartenpflege und dem Betriebsunterhalt ein. Beim Gassentierarzt geben Freiwillige Futter aus und assistieren bei veterinärärztlichen Untersuchungen. Im Gassencafé helfen sie mit bei der Betreuung der Gäste, in verschiedenen Betrieben sorgen freiwillige Coiffeusen und Coiffeure für gute Haarschnitte und stutzen Bärte. Freiwillige unternehmen mit Klientinnen und Klienten Ausflüge, machen mit ihnen Spaziergänge oder backen Guetzli. Und dann gibt es immer wieder besondere Anlässe wie die Gassenweihnacht oder Betriebsjubiläen, an denen Freiwillige tatkräftig mitwirken. Dabei geht es nicht nur darum, anzupacken. Mindestens ebenso wichtig ist es, dass sie sich Zeit für unsere Gäste nehmen, ihnen zuhören und ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind. Im Jahr 2025 leisteten rund 250 Freiwillige bei uns insgesamt 13ʼ093 Stunden im Dienst der Mitmenschlichkeit. Dafür sind wir ihnen von Herzen dankbar! 


Anderen zu helfen, macht mich glücklich

Nach einer Zeit voller gesundheitlicher und persönlicher Rückschläge fand Marcos im Brot-Egge neuen Halt. Heute engagiert er sich für Menschen in Not und gibt die erfahrene Hilfe weiter.

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«Mich beflügelt es, wenn ich Menschen helfen kann, die nicht oder nicht mehr auf der Sonnenseite des Lebens stehen.»

Olga Russenberger, Freiwillige im Chleiderlade

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Olga Russenberger gehört in unserer Stiftung fast schon zum Inventar. Seit 17 Jahren engagiert sie sich nach wie vor begeistert. Zunächst arbeitete die heute 71-jährige ehemalige Konfektionsfachfrau als Freiwillige im Pfuusbus, seit 2009 ist sie verantwortlich für unser Kleiderlädeli. «Mich beflügelt es, wenn ich Menschen helfen kann, die nicht oder nicht mehr auf der Sonnenseite des Lebens stehen.» 

Sie sieht zwar viel Leid. Die Arbeit belohnt sie aber auch immer wieder mit heiteren Momenten. Ein Glanzstück mag dafür stellvertretend stehen: Einmal, so erinnert sich Olga, habe ein Klient den drei Frauen im Lädeli je eine separat eingepackte Praline von Teuscher geschenkt und erklärt, dass er dafür auf drei Bier verzichtet habe. 

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«Wenn es mir einigermassen gut geht, sollte ich davon etwas weitergeben.»

Pedro Büchel, Freiwilliger im Iglu

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«Wenn es mir einigermassen gut geht, sollte ich davon etwas weitergeben», sagt Pedro Büchel. Der Tauchlehrer aus Effretikon tut dies, indem er sich in unserer Notschlafstelle Iglu seit sechs Jahren wöchentlich engagiert. Er verteilt Schlafsäcke, hilft beim Einchecken, serviert Mahlzeiten und hat ein offenes Ohr. 

Dass er sich heute im Sozialwerk Pfarrer Sieber engagiert, kommt nicht von ungefähr. Dem 62-
Jährigen sind die unmenschlichen Bedingungen der offenen Drogenszenen vom Platzspitz noch in lebhafter Erinnerung. «Lange habe ich dann einfach Geld gespendet», so Pedro. «Irgendwann wollte ich aber mehr tun.» 

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«Mich motiviert die Möglichkeit, durch kleine Gesten etwas Freude in den Alltag dieser Menschen zu bringen.»

Pamela Sarmiento, Freiwillige im Schärme

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«Es ist für mich jedes Mal ein Höhepunkt, die strahlenden Gesichter der Klientinnen und Klienten zu sehen, wenn wir gemeinsam am Werk sind.» Pamela Sarmiento engagiert sich seit vergangenem Sommer vierzehntäglich freiwillig in der Beschäftigungsküche unserer Wohneinrichtung Schärme. Die 42-Jährige, die im Erwerbsleben Firmenkundenbetreuerin eines Schweizer Finanzunternehmens ist, backt dort zusammen mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Schärme Brote, Zöpfe und Guetzli. 

Das gemeinsame Arbeiten gibt den Mitwirkenden Tagesstruktur und Selbstbestätigung. Im entspannten Miteinander wird gewitzelt und geschwatzt. «Mich motiviert die Möglichkeit, durch kleine Gesten etwas Freude in den Alltag dieser Menschen zu bringen», erklärt Pamela. 

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«Die Patienten hier sind viel dankbarer, als ich erwartet hatte.»

Dimitri Steiner, Freiwilliger im Sune-Egge

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«Die Patienten hier sind viel dankbarer, als ich erwartet hatte», sagt Dimitri Steiner. Unwirsche Äusserungen gebe es schon, aber insgesamt hätte er mehr Egoismus erwartet, sagt der 36-Jährige, der seit bald einem Jahr als Freiwilliger fünfmal wöchentlich in der Küche unseres Fachspitals Sune-Egge anpackt. Er hilft beim Rüsten, gibt Mittagessen aus und hilft beim Aufräumen. «Einmal wollte ein Patient mehr Fleisch, als pro Kopf vorgesehen. Er beleidigte mich aufs Gröbste. Später entschuldigte er sich in aller Form», sagt er. «Das hat mich sehr berührt.»

Dimitri fand seinen Weg zur Freiwilligenarbeit aus einer Lebenskrise heraus. Nachdem er in Genf mehrere Semester Medizin und später an der HSG St. Gallen Wirtschaft studiert hatte, erlitt er ein Burnout. Nun tastet er sich zurück ins Berufsleben. 

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«Es tut gut zu sehen, wie ein kleines Gespräch dazu beitragen kann, dass sich die Laune hebt, sich das Gegenüber entspannt und Vertrauen entsteht.»

Simone Pape, Freiwillige in der Sunestube

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Seit April 2025 arbeitet Simone Pape als Freiwillige vierzehntäglich im Gassencafé Sunestube mit. Im Service sorgt sie dafür, dass die bis zu 160 Gäste pro Tag ihre warmen Mahlzeiten erhalten. Seit Jahren ging sie an der Sunestube vorbei. «Ich wurde neugierig, was es mit dem Gassencafé auf sich hat», erinnert sie sich. «Ich recherchierte am Compi zur Sunestube. Dabei entdeckte ich, dass sie Freiwillige suchen. Da war für mich klar, dass ich mich melde. Denn ich habe es im Leben gut erwischt mit Gesundheit, Familie, Job etc.» 

Für die 47-jährige Soziologin ist klar: «Es tut gut zu sehen, wie ein kleines Gespräch dazu beitragen kann, dass sich die Laune hebt, sich das Gegenüber entspannt und Vertrauen entsteht. Ich geniesse diese kleinen Momente.» 

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««Wenn sich Gäste für die Gastfreundschaft bedanken, geht mir das Herz auf.»

Hans Leber, Freiwilliger im Pfuusbus

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«Es ist verrückt, dass in der reichen Schweiz Menschen auf der Strasse leben. Und dass wir es nicht schaffen, für sie feste oder betreute Wohnplätze zu schaffen», sagt Hans Leber. Der 67-jährige ehemalige Chemietechniker ist sich durchaus bewusst, «dass es Obdachlose gibt, die sich nicht helfen lassen wollen.» Dennoch findet er – ganz im Sinne von Pfarrer Sieber –, dass es Aufgabe der Gesellschaft ist, diesen Menschen zur Seite zu stehen. 

Wenn es irgendwie geht, ist Hans in der Notschlafstelle Pfuusbus wöchentlich als Hüttenwart im Einsatz – dies seit fünf Jahren. In dieser Funktion ist er zuständig für den Empfang und das Check-in der Gäste, er unterstützt Küche und Service und nimmt sich Zeit für Gespräche und Spiele mit Gästen. Hans betont, dass er aber nicht nur schenke, sondern auch beschenkt werde. «Wenn sich Gäste für die Gastfreundschaft bedanken, geht mir das Herz auf. Und wenn sie Vertrauen zu mir aufbauen, um mir ihre Lebensgeschichte zu erzählen, dann ist das ein grosses Geschenk.» 

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